Wing Chun Kung Fu

Einführung

 

Wing Chun Kung Fu ist eine sehr einfache und praktische Kampfkunst, die sich im wesentlichen mit drei Dingen beschäftigt: 1. mit dem zentralen Fauststoß (= Schlagkrafttraining), 2. mit der richtigen Körperstruktur, um den Fauststoß zu optimieren (= Formen), 3. mit Methoden, den Fauststoß trotz Gegenwehr ins Ziel zu bringen (= Chi Sau). Sinn des Trainings ist das Kämpfen oder vielmehr: die Ausbildung von Fertigkeiten, die uns helfen können, eine reale Kampfsituation zu überstehen. Alles andere, wie Meditation, Gymnastik oder Krafttraining, ist zur Ergänzung sinnvoll, nimmt im Wing Chun aber nicht so einen breiten Raum ein wie in anderen Kampfkünsten.

 

 

Kampfstrategie

 

Anders als in gängigen Selbstverteidigungskursen vermeiden wir es im Wing Chun Kung Fu, typische Angriffsszenarien nachzustellen und entsprechende Abwehrbewegungen einzuüben. Die Schwäche dieser Methode besteht darin, dass es es unzählige technische Varianten gibt, so dass ein Angriff meist ganz anders ankommt, als es gelernt und trainiert wurde. Gute Kämpfer verschleiern ihre Bewegungen durch Täuschungsmanöver so geschickt, dass sie nur sehr schwer zu identifizieren sind. Standardisierte, eingespielte Abwehrtechniken können eine solche Vielfalt der Möglichkeiten niemals angemessen abbilden.  

 

Wing Chun Kung Fu löst dieses Problem, indem es auf Verteidigung durch eigenen Gegenangriff setzt. Wir reagieren also bereits auf die Angriffsabsicht, die sich in der Regel an einer Distanzverkürzung ablesen lässt: wer mir etwas tun will, muss zu mir kommen. Ein kompromissloses Vorstoßen in die Vorwärtsbewegung des Gegners bietet die Chance, auch einen aggressiven, körperlich überlegenen Angreifer abzufangen, bevor er seine Vorteile ausspielen kann. Dabei stemmen wir uns den Kräften unseres Kontrahenten nicht entgegen, sondern "schneiden" sie, d. h. verändern ihre Richtung. 

 

 

Fauststoß

 

Um die beschriebene Strategie umzusetzen, benötigt Wing Chun eigentlich nur eine einzige Technik: den geraden Fauststoß auf der sogenannten Zentrallinie, einer gedachten vertikalen Ebene, die beide Kämpfer miteinander verbindet: http://wingchunlexicon.com/the-centerline-theory-of-wing-chun-technical-notes/ Wer die Zentrallinie angreift, hat die Initiative - wer die Zentrallinie besetzt, trifft den Gegner, bevor dieser treffen kann. Gerade Wege sind kürzer als kurvige, Handtechniken sind schneller als Fußtechniken, so dass der Fauststoß des Wing Chun das einfachste Mittel darstellt, um einen Gegner auszuschalten ("Wenn mich einer angreifen will, hau ich ihn um!"). Die meisten anderen Techniken, die das Wing Chun benutzt, dienen dazu, den Fauststoß zu unterstützen oder die Zentrallinie von feindlicher Gegenwehr freizuräumen. Auch Tritte haben nur untergeordnete Bedeutung: zum Überbrücken des Raumes im Nachsetzen oder zur Unterstützung der Hände sind sie manchmal nützlich. Bewegungen, die keine Kampfrelevanz haben und sich der Logik des Systems nicht einfügen, gibt es schlichtweg nicht; allein Funktionalität zählt.

 

 

Formen

 

Die beste Waffe des Wing Chun, der Fauststoß, wird durch Schlagübungen mit Pratzen, am Wandsack, am Sandsack und gegen Schlagpolster entwickelt. Die absolute Basis ist aber das Training der Formen. Sie sind keine Sammlung von Anwendungen gegen dies und das, sondern sie entwickeln die Exaktheit unserer Bewegungen: das Gefühl für die Mitte und den Körperschwerpunkt, für die korrekten Kraftrichtungen und grundlegenden Haltungen. In diversen Übungsdrills werden Hand- und Fußtechniken mit Schritten und Wendungen verbunden, so dass der Körper als Einheit zu agieren lernt: es entsteht die typische Struktur des Wing Chun, eine nicht durch Muskelkraft, sondern durch richtige Winkel und Positionen erzeugte Stabilität, die  auch leichtere und schwächere Anwender befähigt, große Vorwärtsenergie zu mobilisieren. 

 

 

Chi Sau

 

Auch ein perfekter Fauststoß trifft nicht immer. Er kann das Ziel verfehlen, abgelenkt werden oder in der Deckung des Gegners hängen bleiben. Anders als in den meisten Kampfsportarten werden im Wing Chun die Hände dann nicht wieder zurückgezogen; es wird auch nicht geklammert (Clinch), sondern durch bestimmte Veränderungen der Kraftrichtung werden die gegnerischen Arme so geöffnet, dass der Weg für den Fauststoß frei wird. Die zentrale Trainingsform, um diese Reflexe zu entwickeln, heißt Chi Sau ("klebende Hände", "kontrollierende Hände"). Chi Sau lehrt uns, entspannt zu bleiben und auch unter Stress dem Gelernten zu vertrauen, und es schult uns darin, permanenten Druck auf den Mann auszuüben, Kontrolle über sein Gleichgewicht zu erlangen und Deckungslücken gleichsam zu "erfühlen": ein ständiges Stoßen, Ziehen, Verschieben, Stören und Schlagen, das den Gegner schließlich überfordert. Chi Sau ist daher der Schlüssel zum kompletten Verständnis und zur erfolgreichen Anwendung des Wing Chun. 

 

 

Zusammenfassung

 

Im Wing Chun Kung Fu üben wir von Anfang an das Ausweichen und Vorstoßen gegen beliebige Angriffe. Gleichgewicht, Distanzgefühl, Timing, korrekte Ausrichtung werden ebenso entwickelt wie Schlagkraft und Schnelligkeit. Das Chi Sau ermöglicht uns, den Gegner so zu bedrängen, dass wir seine Deckung aufbrechen und unsere Fauststöße ins Ziel bringen können. Im Freikampftraining werden diese Fertigkeiten zusammengeführt und auf die Probe gestellt.

 

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Trainingszeiten:

 

Mo, Mi, Fr

18:30-21:00 h

 

 

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© Michael Schweitz